05.11.2014

Wenn das Herz nicht richtig taktet

Wenn das Herz nicht richtig taktet

Eine große Medizinerrunde sprach am Straubinger Herztag 2014 zu einer sehr großen Zahl von interessierten Zuhörern (v.l.): Dr. Dionys Daller, Volker Mehr von der Deutschen Herzstiftung, Dr. Christoph Günther, Elke Mehr von der Deutschen Herzstiftung, Prof. Dr. Christian Zugck, Dr. Regine Langer-Huber, Dr. Jan Becher, Prof. Dr. Sebastian Maier, AOK-Direktor Georg Kagermeier, AOK-Ernährungsberaterin Andrea Götz und Oberbürgermeister Markus Pannermayr.

Straubinger Herztag informierte über Erkennung und Behandlung von Herzproblemen

 

 

Drei Milliarden Mal schlägt das menschliche Herz in einem 80 Jahre langen Leben. Auf rund 100 000 Schläge kommt es an einem Tag. Da kann die lebenserhaltende Pumpe gelegentlich mal aus dem Takt kommen. Vorsicht ist aber geboten, wenn der menschliche Motor wiederholt für längere Zeit aus dem Rhythmus fällt. Warum das Herz schlecht arbeitet, wie Betroffene das merken und was sie dagegen tun können, waren Themen, die namhafte Mediziner beim Straubinger Herztag 2014 am Montagabend den vielen Interessierten in der AOK-Schalterhalle näherbrachten.

Die Deutsche Herzstiftung veranstaltet alljährlich im November eine Aufklärungskampagne zur Herzschwäche, die in Straubing von der AOK, dem Klinikum St. Elisabeth, der Klinik in Bogen mit Facharztzentrum, dem Ärztlichen Kreisverband, der Vhs und der Gemeinschaftspraxis Steiner Thor mitgetragen wird.100 Jahre gibt es die AOK in Straubing, 30 Jahre lang schon die Arztvorträge und schon seit über zehn Jahren den Straubinger Herztag, sagte AOK-Direktor Georg Kagermeier. Er dankte den Internisten und Kardiologen dafür, dass sie ein komplexes Thema den Gästen näherbringen wollen.

Schirmherr Oberbürgermeister Markus Pannermayr meinte in seinem kurzen Grußwort: „Sich der Gesundheit bewusst zu werden und sich zur rechten Zeit Gedanken zum körperlichen Wohlbefinden zu machen, dazu tragen auch die Vorträge in der AOK bei. Die medizinische Versorgung hat für einen Standort wie Straubing eine herausragende Bedeutung. Da sind wir sehr gut aufgestellt!"

Elke Mehr von der Deutschen Herzstiftung übernahm die Moderation und gab das Mikro weiter an Dr. Regine Langer-Huber von der Gemeinschaftspraxis Steiner Thor, die über die Ursachen informierte, „wenn das Herz mal stolpert". Grundlage des Stolperherzens sind Extrasystolen durch vorzeitige Erregung aus anderen Zentren der Herzkammer. Aus diesem Grund kommt es zu subjektiven Symptomen wie Herzklopfen, Kurzatmigkeit, Schwitzen oder Angstgefühlen. Hellhörig sollte man werden, wenn Herzstolpern über Minuten oder Stunden auftritt.

Prof. Dr. Christian Zugck, Invasivkardiologe von der Klinik Bogen und der Gemeinschaftspraxis Steiner Thor, nahm sich der häufigsten Herzrhythmusstörung an, dem Vorhofflimmern, das mittlerweile so oft auftritt, dass man schon von einer Volkskrankheit sprechen kann. Das Risiko steigt mit dem Alter und das Vorhofflimmern wird meistens nur durch Zufall beim Arzt entdeckt. Manchmal zu spät, nämlich erst dann, wenn das Vorhofflimmern zu einem Schlaganfall geführt hat.

Prof. Dr. Sebastian Meier, Chefarzt der II. Medizinischen Klinik am Klinikum St. Elisabeth, informierte über die Behandlung von Herzrhythmusstörungen mittels Herzkatheter. Dabei werden eine oder mehrere dünne Elektrodenkatheder in das Herz eingeführt, über die die elektrischen Signale des Herzens aufgespürt werden. Auch eventuelle Störherde im Herzen können damit verödet werden.

Ebenfalls am Klinikum tätig ist Dr. Christoph Günther, der über Herzschrittmacher referierte. Der erste vollständig im menschlichen Körper eingebettete Herzschrittmacher wurde 1958 in Schweden eingepflanzt. Ein Herzschrittmacher stimuliert regelmäßig den Herzmuskel mithilfe von nicht spürbaren elektrischen Impulsen. 70 000 Herzschrittmacher werden alljährlich in Deutschland eingepflanzt, deren Größe mittlerweile nur durch die Batterie bestimmt wird, die nicht aufladbar ist.

Dr. Dionys Daller, Chefarzt für Innere Medizin und Kardiologie in der Klinik Bogen und Kardiologe in der internistischen Gemeinschaftspraxis Steiner Thor, nahm sich eines wichtigen Hilfsmittels an: des Defibrillators. Der Defi kann die bedrohlich schnellen Herzrhythmusstörungen durch einen kurzen Stromstoß, der das Herz wieder in den richtigen Takt bringt, beenden. Sie werden wie Herzschrittmacher implantiert oder helfen extern. Es gibt Standortkarten für die Stadt und den Landkreis, wo solche lebensrettenden Defis vorhanden sind. Auch eine App „Defi now" zeigt bundesweit die Standorte. Der Gebrauch solcher Defis ist einfach und kann auch in der Vhs erlernt werden.

Dr. Jan Becher vom Klinikum St. Elisabeth schloss den Reigen mit einem Vortrag über die verblüffenden Möglichkeiten der Telemedizin. Die Telemedizin spielt bei Herzschwächepatienten mit implantierten Herzschrittmachern oder Defibrillatoren eine große Rolle, da der Mediziner den Gesundheitszustand seines Patienten auch außerhalb der Praxis überwachen kann. 80 Patienten werden am Klinikum derzeit telemedizinisch betreut.

Natürlich beantworteten die Medizinier am Ende gerne noch Fragen aus dem Publikum.