27. März 2014

„Wir verschenken Lebenszeit“

Herztag macht auf die stille Gefahr durch unbehandelten Bluthochdruck aufmerksam

Die Krankheit kommt meist schleichend und unbemerkt, betrifft geschätzt die Hälfte der Bevölkerung und richtet unbehandelt schwere Schäden an: Bluthochdruck gilt als immer noch unterschätzte Gefahr. Beim Herztag der AOK in Zusammenarbeit mit der Straubinger Volkshochschule, dem Ärztlichen Kreisverband und der Deutschen Herzstiftung konnten sich Betroffene über Symptome, Gefahren, Prävention und Behandlungsmöglichkeiten informieren.

 

Geschätzt 35 Millionen der Deutschen seien von Bluthochdruck betroffen, sagte Prof. Dr. Christian Zugck, Internist und Kardiologe in Straubing, aber nur bei 2,5 Millionen sei der Blutdruck durch Behandlung im gewünschten Zielbereich. Diese immer wieder diskutierte Marke, darüber waren sich die Experten am Montagabend im voll besetzten AOK-Foyer einig, dürfe zu Hause und in Ruhe nicht über 135/85 Millimeter Hg gehen, in der Praxis sei ein „Weißkittel-Blutdruck" von 140/90 erlaubt.

Artikel 27.03.2014
Experten informierten beim Herztag über die schleichende Gefahr durch unbehandelten hohen Blutdruck (v.l.): Stefan Lippl von der AOK, Prof. Dr. Christian Zugck, Dr. Regine Langer-Huber, Bürgermeisterin Maria Stelzl, Elke Mehr von der Deutschen Herzstiftung, Markus Geyer, Volker Mehr (Deutsche Herzstiftung) und Dr. Werner Schmid.

Die Ursachen seien zu über 90 Prozent erblich bedingt und durch ungesunde Lebensweise begünstigt. Da der „Homo Mc Donald's" nicht mehr wie unsere Vorfahren gezwungen sei, für die Nahrungssuche weite Strecken laufend zurückzulegen, sei es zwischen 1996 weltweit zu einem „Fett-Tsunami" und damit zu einer Verdoppelung der Menschen mit Bluthochdruck gekommen. Die Konsequenzen für Menschen mit Hypertonie: Lebensgewohnheiten ändern, vor allem abnehmen und sich mehr bewegen. Meist sei allerdings zusätzlich die Einnahme blutdrucksenkender Medikamente notwendig und dies in der Regel lebenslang. Andernfalls drohe eine Schädigung des Herzens und der Niere und damit eine geringere Lebenserwartung. „Hoher Blutdruck macht Patienten älter", so Zugck, „wir verschenken Lebenszeit". Um dies zu verhindern, könne der Patient viel selbst beitragen, sagte der Internist und Nephrologe am Klinikum St. Elisabeth, Oberarzt Markus Geyer. Er plädierte für eine Ernährung mit wenig rotem Fleisch, viel Obst und Gemüse. Auch rote Beete und sogar dunkle Schokolade seien in der Lage den Hochdruck merklich zu senken. Besonders schädlich sei ein zu hoher Kochsalzkonsum, nachweislich eine der Ursachen für ernährungsbedingten Hochdruck. „Eigentlich brauchen wir so gut wie kein Salz", betonte Geyer. Notwendig seien höchstes ein halbes bis ein Gramm pro Tag, mehr als sechs Gramm sollten es nicht sein. Die meisten Menschen nähmen aber durch stark salzhaltige Nahrungsmittel täglich zwölf bis 20 Gramm Kochsalz zu sich. Eine zuverlässige Diagnose des Bluthochdrucks sei besonders durch die 24-Stunden-Messung möglich, sagte der Internist und Kardiologe Dr. Werner Schmid, Oberarzt am Klinikum St. Elisabeth. Wenn die erhöhten Werte durch Lebensstiländerungen wie Ausdauersport, gesunde Ernährung, Verzicht auf Rauchen und zu viel Alkohol nicht zu senken seien, sei eine medikamentöse Therapie unausweichlich. Diese bestehe meist aus einer Kombination von drei bis vier verschiedenen unterschiedlich wirkenden Mitteln, die möglichst passgenau auf das jeweilige Krankheitsbild eingestellt werden müssten. Schmid appellierte an die Zuhörer, die Therapie wie verordnet einzuhalten. „53 Prozent der Patienten nehmen die Medikamente nicht richtig ein", so Schmid. Auf keinen Fall dürfe man eigenmächtig eine Pille weglassen, wenn die Werte wieder Normalwert erreicht hätte. Auf eine besonders gefürchtete mögliche Folgeerscheinung des Bluthochdrucks wies die Kardiologin Dr. Regine Langer-Huber hin. Durch Bluthochdruck sei die Gefahr, an gefäßbedingter Demenz, also dem Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit zu erkranken, deutlich erhöht. Im mittleren Alter sei Hypertonie sogar der wichtigste Risikofaktor für spätere Demenz. Diese Art von geistigem Abbau sei nicht zu verwechseln mit der neurologischen Krankheit Alzheimer, gegen die keine Vorbeugung möglich sei. Gefäßbedingte Demenz beginne im Gegensatz zu Alzheimer abrupt und ziehe eine stufenweise Verschlechterung nach sich. Durch die gefürchtete Gefäßverkalkung würden Areale des Gehirns zerstört.

 

Bluthochdruck begünstige die Verschleppung von Gerinnseln ins Gehirn und damit die Entstehung von Schlaganfällen und Gehirnblutungen. Eine bestehende Demenz werde durch Hypertonie verschlechtert, umgekehrt durch eine Senkung des Hochdrucks die Symptome gebessert oder die Entstehung von geistigem Abbau und Vergesslichkeit verhindert, so Regine Langer-Huber. - ber -