22. Februar 2014

Überlebens-Chance in handlichem Köfferchen

Auf Rotary-Initiative Netz automatischer Defibrillatoren in der Region auf 85 angewachsen
Internistische Gemeinschaftspraxis

Wünschen sich, dass die Standorte öffentlich zugänglicher Defibrillatoren so bekannt wie möglich werden: Prof. Dr. Christian Zugck, Dr. Regine Langer-Huber und Dr. Dionys Daller (r.)

Begonnen hat das als Privatinitiative der Internistischen Gemeinschaftspraxis im Steiner Thor, federführend die beiden Kardiologen Dr. Regine Langer-Huber und Dr. Dionys Daller. Jetzt können sie auf 85 Geräte, 53 davon in Straubing, verweisen. Und denken nicht ans Zurücklehnen.
 
Ein wirklich flächendeckendes Netz ist das Ziel, das den beiden Kardiologen vorschwebt. Die beiden Rotary Clubs Straubing und Straubing-Gäuboden wissen sie dabei hinter sich. Die Initialzündung durch die Björn-Steiger-Stiftung hat eine Erfolgsgeschichte angezettelt. Und viele Firmen, Privatleute, Banken, Arztpraxen, Apotheken, Kommunalpolitiker, Spender und Sponsoren, die Geräte angeschafft oder finanziert haben. „Wir sind weit gekommen", sagt Dr. Regine Langer-Huber, „ein so dichtes Netz wie in unserer Region ist fernab großstädtischer Strukturen längst nicht die Regel." Bei der letzten Veröffentlichung der Defibrillatorstandorte vor genau drei Jahren waren es übrigens 62 öffentlich zugängliche Standorte. Seither sind 23 dazugekommen. Die Standorte sind mit einem grünen Schild mit einem weißen Herz und weißem Kreuz gekennzeichnet. Inzwischen hat Dr. Regine Langer-Huber mit Dr. Daller viele hundert Bürger im Umgang mit dem handlichen Gerät geschult, vor allem im direkten Umfeld plazierter Geräte: Kaufhauspersonal, Banker, Pädagogen, selbst Schulsanitäter sind im Boot. Die Gelder für die Schulungen haben die Ärzte wieder für die Anschaffung weiterer Geräte verwendet. Mitarbeiter aus den Teams von Dr. Daller an der Klinik Bogen (Martina Stettmer) und Dr. Regine Langer-Huber im Steiner Thor (Alexandra Heigl und Corinna Sturm) stehen Interessenten, die ein Gerät anschaffen oder sich für ihren Standort schulen lassen wollen, routiniert zur Seite.

Der Umgang mit dem Defibrillator hat inzwischen Eingang in Erste-Hilfe-Kurse von BRK und Maltesern gefunden. Das verschafft noch mehr Breitenwirkung, denn jeder Führerschein-Bewerber hat auf diese Weise schon mal von einem Defibrillator gehört und seinen Einsatz geübt. Doch für die meisten ist ihr Erste-Hilfe-Kurs lange her. Die beiden Kardiologen appellieren deshalb, die eigenen Wiederbelebungs-Kenntnisse und dabei auch den Umgang mit dem Defi bei Kursen aufzufrischen. 
 
Erfolgreich defibrilliert 
 
Ihre Argumente sind unschlagbar: In Straubing und Bogen seien schon in der ersten Zeit des Projekts drei Menschen erfolgreich akut von Passanten sofort defibrilliert worden. In einem Fall seien zufälligerweise sogar zwei Sanitäter präsent gewesen, erzählt Dr. Dionys Daller. „Sicher sind auch mit Defibrillatoren nicht alle Wiederbelebungen erfolgreich", sagt Dr. Regine Langer-Huber, „aber man hat dann zumindest im Wettlauf mit der Zeit alles versucht". Auf die Idee für das Projekt gebracht hat Dr. Daller, als er 2005 selber als Passant einen plötzlichen Herztod miterlebt und gemeinsam mit seiner Frau den Mann, einen Radfahrer, mit Herzdruckmassage über Wasser gehalten hat, bis der Notarzt eingetroffen ist. Notarztfahrzeuge sind selbstverständlich auch mit Defibrillatoren ausgestattet.

Anliegen ist den beiden Kardiologen wie ihrem Kollegen Prof. Dr. Christian Zugck, den sie als Mitstreiter gewinnen konnten, dass jeder weiß, dass man bei Erster Hilfe nichts falsch machen kann. „Falsch ist nur, nichts zu tun." Im Falle des plötzlichen Herztods sei die sofortige Herzdruckmassage mit und ohne Defibrillator unbedingt notwendig, um die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes (Notruf 112) zu überbrücken. Das sind wertvolle Minuten. Herzdruckmassage sei viel wichtiger als (Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-)Beatmung, verweist Prof. Zugck auf die aktuellen Erste-Hilfe-Maßstäbe und ermutigt: „Drücken kann jeder." Sofortige Herzdruckmassage selbst ohne Defibrillator steigere die Überlebensrate um das Zwei- bis Dreifache. Leider werde sie nur in 10 bis 20 Prozent der Fälle eingesetzt. 
 
Umgang ist kinderleicht
 

Der Umgang mit dem Defi ist kinderleicht. Man braucht nur die Kontakte auf der Haut des Oberkörpers anzubringen. Das Gerät ist mit einem Sprachcomputer ausgerüstet, der klare Anweisungen gibt, was zu tun ist. Das Gerät löst einen Elektroschock nur dann aus, wenn er tatsächlich notwendig ist. Um die Defibrillator-Standorte noch präsenter zu machen, lässt Dr. Regine Langer-Huber Plakate mit den Standorten drucken und auch eine App ist im Gespräch. „Und dass möglichst viele Standorte auch nachts zugänglich sind", ist ein weiteres Ziel. 83 Standorte - von Zurücklehnen keine Rede. -mon-

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